Die Gaskugel Betzenhausen

Zu Ostern 1964 hat sich der Ortsverein Betzenhausen lautstark gegen die Gaskugel gewehrt: "Der Standort dieses Monstrums liegt nur 50 Meter vom bewohnten Vorstadtrand von Betzenhausen entfernt." So war es in der Osterausgabe der Lokalnachrichten zu lesen.

 

Schon 1963 war der Widerstand groß. So wurde die Gaskugel als "Ungetüm" oder "apokalyptisches Ungeheuer" bezeichnet. Auch machte man sich Sorgen im Falle eines Bombenangriffes. So stand in den Lokalnachrichten aus dem Jahre 63: "Wir wissen: Eine einzige moderne Wasserstoffbombe kleinsten Formates genügt vollauf, ein Chaos unendlichen Ausmaßes Wirklichkeit werden zu lassen."

Die Betzenhauser Bürgerinnen und Bürger fühlten sich von der Stadtverwaltung und dem Gemeiderat regelrecht überrumpelt. Der Standort der Gaskugel war ursprünglich als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, was der Gemeinderat kurzerhand aufhob. Man empfand es als "Zumutung, dass die Bewohner von Betzenhausen den Gasgeruch einatmen oder in einem Katastrophenfall elendiglich zugrunden gehen müssen".

Trotz der Proteste fand die sogenannte "Äquatortaufe" am 15. Oktober 1964 statt. Der damalige Oberbürgermeister Dr. Eugen Keidel taufte das Bauwerk auf den Namen "Gaskugel Freiburg".

Der Bau der Gaskugel wurde als notwendig erachtet, da der Übergang zum Ferngas immer größeres Speichervolumen erforderte. Heute gehört die Gaskugel längst zum Stadtbild von Betzenhausen und ist ein Wahrzeichen des Stadtteils.

Die Gaskugel hat eine Spannweite von 32 Metern und kostete damals einschließlich aller Nebenarbeiten 2,5 Millionen DM. Die Höhe der Gaskugel beträgt 35 Meter und hat ein Fassungsvermögen von 20.000 m3. Die 30 Millimeter dicke Wand der Kugel hält einen Betriebsdruck von 7 bar aus.

Heute gleicht der Speicher den stark schwankenden Erdgasabsatz zwischen Tag und Nacht aus. Der jeweils nachts aufgefüllte Vorrat aus der Kugel dient dazu, die Verbraucherspitzen am frühen Morgen und Abend auszugleichen.

 

Das Gas strömt über Hochdruckleitungen durch das Rheintal nach Freiburg. Es kommt hauptsächlich aus Russland, Skandinavien und der holländischen und deutschen Nordsee. An der Übergabestation direkt neben der Gaskugel wird der Gasdruck von 67 bar auf 7 bar gesenkt - in den Häusern kommt das Erdgas schließlich mit einem Niederdruck von 35 Millibar an.

 

Als Notspeicher für schlechte Zeiten kann die Gaskugel allerdings nicht herhalten, denn schon nach wenigen Stunden hätten die Freiburger eine Füllung aufgebraucht.

 

Nicolai Bischler
(aus: 100 Jahre Betzenhausen bei Freiburg 1908 - 2008, herausgegeben 2008)

Bilder: Oben: Stefan Grugel, Mitte und Unten: Stadtarchiv



Was wird aus Betzenhausens Wahrzeichen?

 

Die Gaskugel geht vom Netz - wie in der Badischen Zeitung vom 28. Juni 2019 zu lesen war. Seit 1965 ist sie Bestandteil und das Erkennungszeichen von Betzenhausen. Sie gehört als Wahrzeichen zum Stadtteil. Ihre Zukunft ist allerdings ungewiss. Unterstützen Sie den Erhalt? Dann schreiben Sie uns unter kuge-freiburg@web.de oder per Post an den Kultur- und Geschichtskreis Betzenhausen-Bischofslinde e.V.

Stockmattenweg 7b, 79114 Freiburg.